Stücke

Johanna (Theaterstück)

"Ge - ni - al. Ein wunderbares Stück." (Kurier) weiterlesen

Theaterstück, ab 13 Jahren
Besetzung: 1- 4 Schauspielerinnen
Im Wettbewerb um den Deutschen Jugendtheaterpreis 2014, Nominiert mit dem Stella. Darstellender.Kunst.Preis 2013
ausgezeichnet mit dem Oustanding Artist Award 2014, UA: Theater Dschungel Wien.
© Sessler Verlag
Textauszüge

Weltbekannt ist die Geschichte der Johanna von Orléans (1412-1431), die während des Hundertjährigen Krieges als erste Frau ihrer Zeit in den Krieg zu. Sie bot den Männern die Stirn und eroberte das Herz einer ganzen Nation, bis sie schließlich verraten und als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Unzählige Dichter von Schiller bis Brecht haben sich ihrer Legende angenommen. Die österreichische Regisseurin und Autorin Cornelia Rainer hat den historischen Stoff für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren adaptiert.

Im Mittelpunkt steht die Begegnung zwei junger Frauen: Johanna von Orleans und Johanna, einem 14jährigen Mädchen unserer Zeit. Die historische Johanna steht für Mut, Selbstbestimmung, Hoffnung und für den Glauben an sich selbst. Die Johanna von heute ist ein Mädchen in der Pubertät, das an sich selbst zweifelt und ihren eigenen Weg erst finden muss. Sie bereitet sich innerlich auf den großen Tag vor, der sich morgen ereignen wird. Der große Tag steht für den Aufbruch in die Welt hinaus, für den Moment, in dem Johanna selbst die Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen soll. Sie bricht aus dem Korsett der schulischen und familiären Fremdbestimmungen aus und beginnt ihrer eigenen Stimme zu folgen.

Johanna sieht sich dabei einer Vielzahl von Möglichkeiten gegenüber, welche eine große Freiheit, aber auch eine große Überforderung und Orientierungslosigkeit mit sich bringen. Der Druck immer am Stand der Zeit zu sein, immer allen Modeerscheinungen und Trends zu folgen, ist groß. Der Anspruch dazuzugehören und gleichzeitig seinen individuellen Weg zu finden, wird zu einer großen Herausforderung. Eltern, Lehrer und eine desolate Wirtschaftslage üben einen stetigen Druck aus. Das auswendiggelernte Schulwissen hilft Johanna dabei wenig, sich in der rauen Realität zu behaupten. Sie sehnt sich danach, so wie Johanna von Orleans, Stimmen zu hören, die ihr sagen, was sie zu tun hat und welche Entscheidung die beste für sie ist. In einem Moment ist sie mutig und möchte die ganze Welt verändern, dann wieder zweifelt sie an ihren Ideen und Gedanken, an ihren Wünschen und Träumen, kurz: An sich selbst.

Fest entschlossen will sie ihre Ängste aber überwinden und taucht in die vergangene Welt des 15. Jahrhunderts ein. Sie verbindet sich mit dem Leben ihrer Namenskollegin und stellt sich vor, so zu sein wie sie: Mutig, tapfer, selbstbewusst. Johanna möchte etwas finden, woran sie glauben kann. Denn dass viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene heute glauben, dass es nichts mehr gibt, woran man glauben kann, will sie nicht gelten lassen. Johanna möchte voranreiten – sie möchte Johanna sein.

Aber ist das heute noch so einfach wie früher? Kann man heute noch alles mit dem Schwert regeln? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Was sind Johannas Wünsche und Träume? Was möchte sie erreichen? Wo liegen ihre Grenzen? Was ist im Leben wirklich wichtig für sie? Was macht den Kern von Johanna aus?

Ein Stück über Identität, Rollenbilder und die Suche nach dem eigenen Ich, das humorvoll die Frage stellt nach der eigenen Bestimmung. zurück

Das Märchen vom alten Mann (Libretto, Theaterstück)

"Das Märchen vom alten Mann" ist eine gelungene Verquickung einer knappen Geschichte von Georg Büchner und mehreren Motiven aus dem Werk H.C. Andersens. Es ist ein Kunstmärchen, ohne simple Moralitäten, stattdessen vom Geheimnis und der Poesie belebt." (Junge Kritik) weiterlesen

Libretto & Theaterstück, ab 7 Jahren
Besetzung: 1 Sängerin, 2 Schauspieler, 1 Kind
UA: Musikfestival Wien Modern
Textauszüge

Eines Tages taucht im Haus einer jungen Familie plötzlich ein alter Mann auf. Niemand weiß, wer er ist, noch woher er kommt. Mit seiner Anwesenheit beginnen sich immer mehr rätselhafte Dinge zu ereignen, welche die beschauliche und wohlgeordnete Welt der Familie gehörig durcheinanderwirbeln. Während sich der alte Mann auf die unsichtbare Spur längst vergangener Tage begibt, wird der Ort zunehmend zu einem Raum, in dem Wirklichkeit, Erinnerung und Phantasie ineinanderlaufen und sich vermischen. Schon bald wird klar: Die Reise des alten Mannes hat nicht zufällig an diesen Ort geführt.

Als Ausgangspunkt für das Libretto dienen Georg Büchners kurzes Märchen „Es war einmal ein arm Kind“, sowie verschiedene Motive aus den Märchen und Geschichten von Hans Christian Andersen. Cornelia Rainer nähert sich existentiellen Themen wie soziale Ausgrenzung, Vergänglichkeit, Verlust und Armut an.

Armut wird hierbei jedoch nicht als sichtbares Zeichen, sondern als etwas Verborgenes beschrieben. Ganz wie in Büchners und Andersens Kunstmärchen sucht auch DAS MÄRCHEN VOM ALTEN MANN seinen Ausgangspunkt in der Wirklichkeit, um von dort seine Reise durch zauberhafte Märchenbilder, Traumwelten und Phantasielandschaften zu entfalten.

Märchen bieten für Kinder in dieser Hinsicht einen geeigneten Zugang, um bei der Bewältigung einer nicht immer leicht verständlichen Wirklichkeit zu helfen. Auch das Stück DAS MÄRCHEN VOM ALTEN MANN nutzt eben jene bildhafte und symbolische Sprache, welche die jungen ZuschauerInnen ganz intuitiv erfassen und begreifen können. Die Jahreszeiten und das Werden und Vergehen in der Natur spiegeln auf anschauliche Weise den Verlauf und die Entwicklung unseres eigenen Lebenszyklus wider. Der Winter entspricht dabei eben jener Zeit, in der alte Menschen auf ihr Leben zurückschauen und resümieren. Doch selbst in dieser Periode des augenscheinlichen Stillstands, steckt bereits der hoffnungsvolle Keim für den Frühling, in dem alles wieder von Neuen erwacht und erblüht. Die Erde dreht sich weiter, die Welt bleibt im Wandel. zurück

Heimfindevermögen (Theaterstück)

"Cornelia Rainer’s Text, aus zahlreichen Gesprächen gespeist, ist durch die Banalität des Alltags oft spröde, durch Metaphern des Wartens und Wiederkehrens zugleich leise und poetisch." (Wiener Zeitung) weiterlesen

Monolog
Besetzung: 1 Schauspieler
UA: Februar 2007, Burgtheater Kasino

Die Aufgabe und Leidenschaft eines Brieftaubenzüchters besteht vor allem darin, die Tauben an fremde Orte zu bringen und auf ihre Rückkehr zu warten. Der Text ist eine Momentaufnahme eines Menschen, der alleine zurückbleibt und verharrend in der Immobilität des Wartens einen Diskurs über die Abwesenheit führt. Es wird ein Szenario des Weggehens und Wiederkommens entworfen. Der, der zurückbleibt, begibt sich in einen Zwischenraum voller Erinnerungen und Erwartungen. Der Text ist keine psychologisch konstruierte Geschichte, er ist ein Versuch, aus den von Brieftaubenzüchtern zwanglos intuitiv entworfenen Bildern einen Zustand abzubilden und so offene Assoziationsräume zu schaffen. Es handelt sich um eine szenische Annäherung an die Themen Abschied, Abwesenheit, Warten.Cornelia Rainer hat das Stück ausgehend von Gesprächen mit Brieftaubenzüchtern geschrieben.

"oft versucht man, nicht zu warten
wenn man sitzt und wartet
kommen sie oft nicht
wenn man an etwas anderes denkt
nicht an sie denkt
kommen sie oft zurück
weil man vergessen hat
an sie zu denken

es ist gut, dass man nicht weiß
wie sie heimfindet
dass man nicht weiß
warum sie wieder zurückkommt

man sitzt da
schaut auf die Taubenuhr
schaut aus dem Fenster
schaut in den Himmel" zurück

Jakob Michael Reinhold Lenz (Bearbeitung)

"Cornelia Rainer hat nicht einfach die berühmte Büchner-Novelle auf die Bühne gebracht, sondern daraus, sowie aus Briefen Oberlins und aus Texten von Lenz eine eigene Spielfassung erarbeitet, die nicht vorgibt, das Rätsel lösen zu können, was das junge Genie einst umgetrieben hat, sondern seiner Verzweiflung Ausdruck gibt und ihm sein Geheimnis belässt." (Salzburger Nachrichten) weiterlesen

Bearbeitung, inspiriert von Jakob Michael Reinhold Lenz, Georg Büchner und Johann Friedrich Oberlin
Besetzung: 2 Frauen, 4 Männer, 1 Kind
UA: Salzburger Festspiele, Young Directors Project, 2012

Jakob Michael Reinhold Lenz: Sturm-und-Drang-Dichter; unbestritten sein außerordentliches Talent, vielfach belegt sein empfindliches Gemüt. In seinen jungen Jahren noch als literarisches Genie hochgelobt, gerät Lenz im Laufe seines Lebens mehr und mehr in Vereinzelung und Isolation. Für die geistige Enge seiner Heimat in Livland und seinem streng religiösen Elternhaus ein zu großer Freigeist, für die Dichtergesellschaft rund um Goethe am Hof in Weimar zu wenig elegant, zu wenig höflich, zu wenig gut angezogen, schlichtweg zu arm, bleibt Lenz zeitlebens ein "Landläufer", ein Unbehauster und Unverstandener.

Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod versteht jemand die Radikalität und soziale Sprengkraft, die Lenz' Texten zugrunde liegt: Georg Büchner. Mit ungeheurer Sprachgewalt und atmosphärischer Dichte beschreibt er Lenz' Aufenthalt im Steintal, jener kargen wie eindrücklichen Landschaft. Zwanzig Tage sind es, die Lenz dort im Hause des Pfarrers Oberlin verbringt. Zwanzig Tage, die zum Sinnbild einer lebenslänglichen Suche werden, in denen sich wiederkehrende Themen und Zustände verdichten: die allmähliche Verrückung der Wahrnehmung, das Einwirken der Natur, das Ausgeliefertsein der eigenen Stimmung gegenüber, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Gemeinsamkeit mit den Anderen, die Zerrissenheit und Ambivalenz zwischen religiösem Wahn und Atheismus, zwischen Hybris und Selbstgeißelung, Manie und Langeweile, Traum und Wachheit.
Cornelia Rainer verdichtet die Natur des Steintals und Lenz' Innenwelt zu einer akustisch - poetischen Landschaft: harmonisch, verstörend und mit einer dem Lenz-Stoff immanenten radikalen Widersprüchlichkeit. zurück

Pünktchen und Anton (Dramatisierung)

"Erich Kästner hätte gewisse seine Freude gehabt. Denn mit der Bühnenadpation des Bühnenklassikers Pünktchen und Anton gelingt Cornelia Rainer am Wiener Burgtheater die sprichwörtliche Quadratur des Kreises: Großes Theater für die Kleinen." (Kurier) weiterlesen

Dramatisierung, ab 7 Jahren
Besetzung: 7 Schauspieler, 3 Kinder
UA: Burgtheater Wien, 2015
© Cornelia Rainer zurück

Richard II, Solo (Bearbeitung)

"Das Solo eines Königs" ist ein Vorschlag und kein schlechter. Brechts altes (und gutes) Fragespiel, ob wir Shakespeare bearbeiten können (Antwort: Ja, WENN wir es können!), wird äußerst positiv beschieden." (Deutschlandfunk) weiterlesen

Monolog. Bearbeitung nach William Shakespeare
Besetzung: 1 Mann oder 1 Frau
UA: Thalia Theater Hamburg
© Rowohlt Verlag

Richard II – im Kern die Geschichte eines Mannes, der ein Königreich verliert und eine Seele gewinnt – wird in diesem "Monolog für einen Schauspieler“ vom Ende her erzählt. Als rechtloses Subjekt findet sich der einst so mächtige Herrscher im Kerker wieder, abgesetzt vom Usurpator Bolingbroke, allein mit den vorwurfsvollen Stimmen der Vergangenheit, oszillierend zwischen Selbstbetrug und Erkenntnis, Aufbegehren und Selbstzerstörung. Alle Stadien seines bitteren Sturzes vom Thron durchlebt er – eingekerkert und von aller Welt verlassen - noch einmal, und so zwingt ihn der Verlust der Königswürde, sich im Angesicht der eigenen Vernichtung seiner selbst bewusst zu werden. In den blutigen Königsdramen Shakespeares versinkt die Welt in Mord und Blutrunst. Am Beginn dieser Höllenfahrt steht zwangsläufig ein Sündenfall: die Unterbrechung der gegebenen Ordnung durch die Absetzung eines von Gott eingesetzten Königs. Damit markiert Richards Sturz aus allen Gewissheiten in die Unbehaustheit der Existenz exemplarisch jenes Erwachen der menschlichen Individualität, das als revolutionäre Entdeckung des Ichs in der Renaissance beginnt und direkt in die Unübersichtlichkeit und Geworfenheit unseres modernen Lebens führt. zurück