Jakob Michael Reinhold Lenz

Salzburger Festspiele | Young Directors Project 2012
Wolfgang Kirchner

Jakob Michael Reinhold Lenz: Sturm-und-Drang-Dichter; unbestritten sein außerordentliches Talent, vielfach belegt sein empfindliches Gemüt. In seinen jungen Jahren noch als literarisches Genie hochgelobt, gerät Lenz im Laufe seines Lebens mehr und mehr in Vereinzelung und Isolation. Für die geistige Enge seiner Heimat in Livland und seinem streng religiösen Elternhaus ein zu großer Freigeist, für die Dichtergesellschaft rund um Goethe am Hof in Weimar zu wenig elegant, zu wenig höflich, zu wenig gut angezogen, schlichtweg zu arm, bleibt Lenz zeitlebens ein "Landläufer", ein Unbehauster und Unverstandener. weiterlesen

Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod versteht jemand die Radikalität und soziale Sprengkraft, die Lenz' Texten zugrunde liegt: Georg Büchner. Mit ungeheurer Sprachgewalt und atmosphärischer Dichte beschreibt er Lenz' Aufenthalt im Steintal, jener kargen wie eindrücklichen Landschaft. Zwanzig Tage sind es, die Lenz dort im Hause des Pfarrers Oberlin verbringt. Zwanzig Tage, die zum Sinnbild einer lebenslänglichen Suche werden, in denen sich wiederkehrende Themen und Zustände verdichten: die allmähliche Verrückung der Wahrnehmung, das Einwirken der Natur, das Ausgeliefertsein der eigenen Stimmung gegenüber, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Gemeinsamkeit mit den Anderen, die Zerrissenheit und Ambivalenz zwischen religiösem Wahn und Atheismus, zwischen Hybris und Selbstgeißelung, Manie und Langeweile, Traum und Wachheit.

Theater Montagnes Russes um die Regisseurin Cornelia Rainer nimmt Lenz' gut dokumentierten Aufenthalt im Steintal zum Ausgangspunkt für ein theatrales Porträt des Dichters. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Musik: Erstmals arbeitet Cornelia Rainer mit dem Schweizer Kollektiv Schi-lunsch-naven zusammen, bestehend aus der Musikerin Sophie Hunger und den Musikern Christian Prader und Julian Sartorius. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft – Cornelia Rainer stammt aus den Tiroler, Schi-lunsch-naven aus den Schweizer Bergen – den einheimischen Dialekten und dem jeweiligen Liedgut prägt das künstlerische Schaffen aller. Die Natur des Steintals und Lenz' Innenwelt werden zur akustischen Landschaft: harmonisch, verstörend und mit einer dem Lenz-Stoff immanenten radikalen Widersprüchlichkeit.

Termine und Besetzung

Premiere am 10. August 2012, Republic Salzburg
mit Englischen Untertiteln

Mit Texten von Jakob Michael Reinhold Lenz, Georg Büchner und Johann Friedrich Oberlin
In einer Fassung von Cornelia Rainer und Sibylle Dudek

MIT Clemens Ansorg, Manfred Böll, Markus Meyer, Karola Niederhuber, Christian Prader, Gertrud Roll, Julian Satorius, Jonathan Seißler | Regie Cornelia Rainer | Bühne und Kostüme Aurel Lenfert | Dramaturgie Sibylle Dudek | Musik Schi-lunsch-Naven (Sophie Hunger, Christian Prader und Julian Sartorius)
Presse

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