Johanna

von Cornelia Rainer | Theater Dschungel Wien 2012
Matthias Pötsch

"Alles was du tust, tust du mit ganzer Kraft
Du weißt nicht, woher du die ganze Kraft nimmst, so viel zu tun.
Du arbeitest hart, denn ALLES ist möglich, wenn man es nur genug will und HART an sich arbeitet.
Das denken alle, das sagen alle, danach handeln alle.
Denn handeln, handeln ist die Seele der Welt."

Weltbekannt ist die Geschichte der Johanna von Orléans (1412-1431), die während des Hundertjährigen Krieges als erste Frau ihrer Zeit in den Krieg zu. Sie bot den Männern die Stirn und eroberte das Herz einer ganzen Nation, bis sie schließlich verraten und als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Unzählige Dichter von Schiller bis Brecht haben sich ihrer Legende angenommen. Im Auftrag des Theater Dschungel Wien hat die österreichische Regisseurin und Autorin Cornelia Rainer den historischen Stoff für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren adaptiert. weiterlesen

Im Mittelpunkt steht die Begegnung zwei junger Frauen: Johanna von Orleans und Johanna, einem 14jährigen Mädchen unserer Zeit. Die historische Johanna steht für Mut, Selbstbestimmung, Hoffnung und für den Glauben an sich selbst. Die Johanna von heute ist ein Mädchen in der Pubertät, das an sich selbst zweifelt und ihren eigenen Weg erst finden muss. Sie bereitet sich innerlich auf den großen Tag vor, der sich morgen ereignen wird. Der große Tag steht für den Aufbruch in die Welt hinaus, für den Moment, in dem Johanna selbst die Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen soll. Sie bricht aus dem Korsett der schulischen und familiären Fremdbestimmungen aus und beginnt ihrer eigenen Stimme zu folgen.

Johanna sieht sich dabei einer Vielzahl von Möglichkeiten gegenüber, welche eine große Freiheit, aber auch eine große Überforderung und Orientierungslosigkeit mit sich bringen. Der Druck immer am Stand der Zeit zu sein, immer allen Modeerscheinungen und Trends zu folgen, ist groß. Der Anspruch dazuzugehören und gleichzeitig seinen individuellen Weg zu finden, wird zu einer großen Herausforderung. Eltern, Lehrer und eine desolate Wirtschaftslage üben einen stetigen Druck aus. Das auswendiggelernte Schulwissen hilft Johanna dabei wenig, sich in der rauen Realität zu behaupten. Sie sehnt sich danach, so wie Johanna von Orleans, Stimmen zu hören, die ihr sagen, was sie zu tun hat und welche Entscheidung die beste für sie ist. In einem Moment ist sie mutig und möchte die ganze Welt verändern, dann wieder zweifelt sie an ihren Ideen und Gedanken, an ihren Wünschen und Träumen, kurz: An sich selbst.

Fest entschlossen will sie ihre Ängste aber überwinden und taucht in die vergangene Welt des 15. Jahrhunderts ein. Sie verbindet sich mit dem Leben ihrer Namenskollegin und stellt sich vor, so zu sein wie sie: Mutig, tapfer, selbstbewusst. Johanna möchte etwas finden, woran sie glauben kann. Denn dass viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene heute glauben, dass es nichts mehr gibt, woran man glauben kann, will sie nicht gelten lassen. Johanna möchte voranreiten – sie möchte Johanna sein.

Aber ist das heute noch so einfach wie früher? Kann man heute noch alles mit dem Schwert regeln? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Was sind Johannas Wünsche und Träume? Was möchte sie erreichen? Wo liegen ihre Grenzen? Was ist im Leben wirklich wichtig für sie? Was macht den Kern von Johanna aus?

Ein Stück über Identität, Rollenbilder und die Suche nach dem eigenen Ich, das humorvoll die Frage stellt nach der eigenen Bestimmung.

Die Inszenierung wurde für den Stella.2013 Darstellender.Kunst.Preis in der Kategorie "Herausragende Produktion für Jugendliche" nominiert und vom Bundeskanzleramt mit dem "Outstanding Artist Award 2014, Darstellende Kunst" ausgezeichnet.

Termine und Besetzung

Uraufführung am 25. April 2012, im Theater Dschungel Wien.

Mit Sophie Aujesky, Sophie Behnke, Anna Lisa Grebe, Louise Knof (als Johanna) | Text und Regie Cornelia Rainer | Bühne und Kostüme Nini von Selzam | Musik Karl Stirner | Licht: Hannes Röbisch | Regieassistenz Moritz Bleichl | Bühne- und Kostümassistenz Stefanie Muther | Tonassistenz Sebastian Seidl | Regiehospitanz Jonathan Achtsnit
Presse

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